Wenn mir aber neben dem Bargeld auch meine Kredit- und die ec-Karte, alle Ausweisdokumente und sogar Versicherungspapiere und Flugtickets abhanden gekommen sind: Da MUSS das Konsulat doch helfen?

So hart diese Antwort klingt: In diesem Fall haben Sie sich ziemlich dumm verhalten!
"Alles zusammen" kann Ihnen in der Regel nur abhanden kommen, wenn Sie "alles zusammen" an einer einzigen Stelle aufbewahrt haben.
Bitte beachten Sie:
Niemals alle Dokumente an einem einzigen Ort aufbewahren! Das verteilt man besser auf zwei Personen (Ehepaare oder gemeinsam reisende Personen) und auf mehrere Taschen. Kluge Reisende haben außerdem von allen wichtigen Dokumenten jeweils drei Fotokopien angefertigt.

  • Eine Kopie bleibt zu Hause in Deutschland (um bei Bedarf abrufbereit zu sein),
  • die zweite Kopie wird am Körper mitgeführt,
  • die dritte bleibt im Hotel oder der Ferienunterkunft. 

Entweder Sie haben im Falle eines Diebstahls oder Verlusts die Kopie zum Vorweisen auf der Polizeistelle oder dem Konsulat. Oder die Kopie kam abhanden und Sie haben noch die Originaldokumente im Hotelsafe oder sicher verwahrt in Ihrer Ferienwohnung.

Wenn Sie sich im Ausland auf einem nächtlichen Bummel oder am Strand befinden, genügen die Fotokopie Ihres Ausweises und die Ihres Führerscheins. Noch zweckmäßiger ist es, wenn Sie sich diese Kopien zuvor auf einem Konsulat, dem Bürgermeisteramt Ihrer Heimatgemeinde oder einer Polizeistelle durch einen amtlichen Stempel unter Vorlage der Originaldokumente bestätigen lassen. 
Achtung
Diese Empfehlung gilt nur für die meisten europäischen, bei weitem aber nicht für alle außereuropäischen Länder. So wurde z.B. aus Thailand, Laos und Burma, sowie aus arabischen und afrikanischen Staaten berichtet, dass dort sogar in den entsprechenden Ausländergesetzen bestimmt ist, keine Fotokopien – auch keine amtlich beglaubigten – sondern nur Originaldokumente anzuerkennen. Sich nicht mit einem originalen und gültigen Personaldokument ausweisen zu können, ist dort eine Straftat mit den entsprechenden Folgen. Es liegt also oft auch in Ihrem Ermessen, wie Sie sich schützen bzw. ausweisen.

Schön und gut! Aber wer stellt mir verlorene Originalpapiere wieder aus? Doch sicher das Konsulat?!

Falsch bzw. nur selten richtig! 
Das Konsulat kann unter bestimmten Voraussetzungen lediglich den Reisepass ersetzen (nicht verlängern!). 
Zur Aus- oder Heimreise stellt Ihnen das Konsulat nach erfolgter Identitätsprüfung einen Ersatzpass, nämlich den sogenannten "Reiseausweis zur Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland" aus. Dieser berechtigt allerdings nicht zur Weiterreise in andere Staaten. Die Gebühr für die Ausstellung eines Reiseausweises beträgt derzeit 21 €, dazu können weitere Kosten kommen. 
Für die Ausstellung dieses Ersatzpasses werden Ihre Personalangaben überprüft: Oft genügt die eidesstattliche Erklärung einer Begleitperson, die Sie kennt und Ihre Identität bezeugen kann. Es kann aber auch durchaus sein, dass die heimatlichen Behörden eingeschaltet werden müssen. Sie benötigen auf jeden Fall Passfotos; Fotoautomaten gibt es in aller Regel in der Nähe der Konsulate bzw. man wird Ihnen einen Fotografen nennen.

  • Der Personalausweis wird nicht vom Konsulat, sondern nur von der heimatlichen Meldestelle neu ausgestellt.
    (Wenn Sie Resident im Ausland sind, können Sie sich in der entsprechenden Konsularabteilung in der deutschen Botschaft einen Personalausweis ausstellen lassen. Dazu müssen Sie jedoch nachweisen, dass Sie in Deutschland keinen Wohnsitz mehr haben).
  • Der Führerschein kann niemals vom Konsulat, sondern ausschließlich von den heimatlichen Behörden ausgestellt werden.
    Bei Führerscheinverlust benötigen Sie für die Rückreise die Kopie Ihres Originalführerscheines, ein polizeiliches Protokoll über den Diebstahl oder Verlust, nach Möglichkeit außerdem eine Bestätigung des Konsulates.
  • Der Verlust von Bank/Kreditkarten ist einzig und alleine Sache Ihrer Bank.
    Haben Sie sich die Nummern der Karte und die Kontaktadresse Ihrer Bank sowie die Notrufnummer für die Sperrung schon notiert? Das Konsulat ist keine Bank und kein Kreditinstitut, kann und wird aber in der Regel die Kontakte zu Ihrer heimatlichen Bank herstellen, wenn Ihnen hierzu die technischen oder finanziellen Mittel fehlen.
  • Verlorene Reisedokumente oder Flugtickets gehen das Konsulat ebenfalls nichts an. Das ist Sache Ihres Reiseveranstalters, Reisebüros oder Reiseleiters bzw. der Fluggesellschaft. 
    Wissen Sie, wie Sie diese schnell erreichen können? Kennen Sie den Namen und die Telefonnummer Ihres Hotels oder der örtlichen Reiseleitung? Notieren Sie sich alle Daten sicher!
  • Fehlende Versicherungsunterlagen (Krankheit, Unfall, Reiserückholversicherung etc.) kann Ihnen nicht das Konsulat  beschaffen.
    Hier sind Ihre jeweiligen privaten oder gesetzlichen Versicherungen und Krankenkassen zuständig.

In all diesen Fällen zeigt sich der Vorteil von notierten Kennziffern/Nummern der Versicherungspolicen und vor allem von Fotokopien. Werden diese auf dem Konsulat oder einer Polizeistelle vorgelegt, dauert es oft nur Minuten, bis sie in Deutschland überprüft und die notwendigen Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden können. Können Sie aber gar nichts vorlegen, sondern werden Sie oft nur ein hilfloses Achselzucken ernten. Und der ganze Ablauf um die Wiederbeschaffung wird sich um Tage verzögern, wenn überhaupt Hilfe möglich ist. Man kann seine Urlaubszeit sicher besser gestalten!

Und die Bezahlung von Krankenhauskosten oder eines Notfall-Rückfluges?

Die übernimmt das Konsulat ebenfalls nicht.
Dafür sind Sie selbst, Ihre Familie oder Ihre entsprechenden Vorsorgeversicherungen zuständig.
Selbstverständlich ist dies bei schweren Katastrophen und/oder Lebensgefahr anders: Rückholaktionen durch Lazarettflugzeuge der Bundeswehr und anderer Hilfsorganisationen zeigen dies deutlich. In solchen Extremfällen wird erst geholfen und erst später nach Ausweisdokumenten und Reiseunterlagen gefragt.
Bei über 99 Prozent der Notfälle im Ausland handelt es sich jedoch nicht um solche Vorkommnisse, sondern um "Alltag" - an dem leider oft die Urlauber zumindest einen Teil der Schuld tragen.

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